Der Hausacher Bärenadvent hat erneut einen Rekord geschafft: 270.000 Euro kamen in einem Jahr zusammen für die Bärenkinder und weitere besondere Kinder mit Handicap.
Hausach. Es dürften die emotionalsten Stunden sein, die die Hausacher Stadthalle Jahr für Jahr erlebt: Tränen der Rührung, der Dankbarkeit und des Mitgefühls prägten das Bärenfest des Hausacher Bärenadvents am Samstag. Dort trafen sich die aktuellen und künftigen Bärenfamilien, Familien der unterstützten Kinder, Förderer und Wegbegleiter zu einem bewegenden Nachmittag.
In lockerer Atmosphäre führte Moderator Uwe Merz mit den beiden Vorsitzenden Timo Lehmann und Kevin Zimmermann durch einen informativen „Bärentalk“. Dass er die Veranstaltung moderiere, sei für ihn „ein moralisches und emotionales Anliegen gegenüber unserem verstorbenen Bärenvater Erwin Moser. Ich bin mir sicher, er ist heute mitten unter uns“, sagte Merz.
Timo Lehmann begrüßte die Gäste mit einem Dank an die vielen Unterstützer, die „das ganze Jahr über dazu beitragen, dass wir unseren besonderen Kindern helfen können“. Auch Hausachs Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Kohmann würdigte die Arbeit des Vereins. Nach dem Verlust von Erwin Moser habe sich das Team eindrucksvoll neu aufgestellt. „Wenn’s den Bärenadvent nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.“
Mehr als 100 Aktionen im gesamten Ortenaukreis und darüber hinaus zeugen nicht nur im Advent, sondern das ganze Jahr über von einer großen Hilfsbereitschaft: Firmen, die Kunden und Mitarbeitern Bären schenken, Jubilare, die auf Geschenke verzichten, Vereine, die Aktionen starten.

Von dieser Entwicklung profitiert auch eine zweite Gruppe unterstützter Familien. Weil die Spendenbereitschaft kontinuierlich gestiegen ist, konnte der Verein sein Hilfsangebot auf „stille Kinder“ ausweiten, deren Familien aus unterschiedlichen Gründen nicht in die Öffentlichkeit treten können oder möchten. Wie Kevin Zimmermann erläuterte, wurden innerhalb von rund zwei Jahren bereits 26 Kinder auf diese Weise unterstützt. Eine wichtige Partnerin dabei ist Regina Mäder-Schmid, die mit ihrer Reittherapie zahlreiche Kinder begleitet. „Pferde sprechen als Co-Therapeuten die Kinder in allen Bereichen an“, erläuterte sie.
Für einen der Höhepunkte des Nachmittags sorgte Timo Lehmann mit der Bekanntgabe der aktuellen Spendensumme. Viele Jahre habe Erwin Moser von der Marke von einer Million Euro geträumt, die kurz vor seinem Tod erreicht worden sei. Dann folgte die Überraschung: „Es sind in diesem Jahr 270.000 Euro“, verkündete Lehmann unter riesigem Beifall. Die aktuellen Bärenfamilien erhalten davon jeweils 50.000 Euro plus alle speziell für ihre Kinder eingegangenen personalisierten Spenden.
Im Mittelpunkt standen die beiden bisherigen Bärenkinder Alessandro Gerbasi und Musa Turan. Musas Mama Ayse sprach von „einem Jahr voller großer Momente, neuer Begegnungen und unbeschreiblicher Unterstützung“. Mit Tränen in den Augen dankte sie dem gesamten Vorstandsteam für dessen Liebe und Begleitung. Auch Damiano Gerbasi fand bewegende Worte. Das vergangene Jahr sei geprägt gewesen von Sorgen, Hoffnungen, schönen Momenten und herausfordernden Situationen. Vor allem die Begegnungen hätten seine Familie beeindruckt. „Nicht nur die Spenden zählen, sondern der Mensch dahinter, die Hilfe, das offene Ohr.“ Der Bärenadvent habe ihnen gezeigt, „dass die Hoffnung wachsen kann und dass niemand einen schweren Weg alleine gehen muss“.
Neue Bärenfamilien
Sehr still wurde es in der Stadthalle, als die neuen Bärenfamilien ihre Kinder vorstellten: Iris und Florian Börsig aus Bad Peterstal-Griesbach mit ihrer Tochter Ella, die schon 320 Tage ihres knapp vierjährigen Lebens auf Intensivstationen verbracht hat, und Melanie Stritt aus Neuried-Altenheim mit Finja: ein Mädchen mit einer sehr seltenen genetischen Erkrankung und einem beeindruckenden Kämpferherz. Auch Bad Peterstal-Griesbachs Bürgermeister Meinrad Baumann zeigte sich „tief bewegt von dieser Menschlichkeit“ und versprach den Familien seine Unterstützung.

Großen Applaus erhielten auch die Hausacher Künstlerin Marion Sokol, die zahlreiche Bilder für eine Spendenaktion ausstellte, und Martin Kersting, der mit seiner Bürgerwehr Oberharmersbach eine neue, langfristige Kooperation mit dem Hausacher Bärenadvent einging. Den längsten Beifall des Nachmittags erhielt jedoch Silvia Schmider. Kevin Zimmermann würdigte ihren unermüdlichen Einsatz: „Früher warst du die rechte Hand von Erwin, heute bist du die rechte Hand von uns allen. Ohne dich gäbe es diesen Bärenadvent nicht mehr.“
Natürlich durfte an diesem Tag auch das Gedenken an Erwin Moser nicht fehlen. Mit einer Schweigeminute erinnerten die Gäste an den Gründer des Bärenadvents.
Mit Blick auf die Eltern aller Bärenkinder brachte Uwe Merz die Stimmung im Saal auf den Punkt: „Ich habe sehr großen Respekt vor dieser Lebensleistung. Der Hausacher Bärenadvent ist weit mehr als ein Verein. Er ist ein Netzwerk aus Herz, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt.“ Vorsitzender Timo Lehmann lud am Schluss zum Bleiben, Essen und Trinken ein, für das viele Sponsoren gesorgt haben und beschloss den Nachmittag mit Erwin Mosers Motto: „Wir Guten müssen zusammenhalten, die Bösen tun es ja auch.“